Grundprinzipien der klassischen Homöopathie
In § 1 + 2 seines "Organon der Heilkunst" schreibt
Hahnemann:
"Des Arztes höchster und
einziger Beruf ist, kranke Menschen
gesund zu machen, was man heilen nennt."
Und
"Das höchste Ideal der Heilung ist die schnelle, sanfte, dauerhafte
Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und
Vernichtung der Krankheiten in ihrem ganzen Umfang." |
In diesen beiden einleitenden Paragraphen wird schon deutlich
was Hahnemann von einer wirklich heilenden Medizin und vom Arzt
erwartet.
- Es geht darum kranke Menschen zu heilen.
- Die Heilung soll schnell, sanft, dauerhaft und umfassend
sein
- Alles muss nachvollziehbar sein
Bewusst spricht Hahnemann nicht von Krankheiten, die es zu
heilen gilt, sondern von kranken Menschen. Demnach kann man auch sagen,
nur wenn der ganze Mensch betrachtet wird und seine Krankheit in ihrem
ganzen Umfang erkannt wird ist wirkliche Heilung möglich. Es kann
also nicht nur darum gehen irgendwelche lokalen Beschwerden zu
behandeln und diese vordergründig zu beschwichtigen. Heilung kann
nur erreicht werden wenn wir den Menschen in allen seinen
Seinsbereichen, d.h. auf seiner körperlichen Ebene, seiner
emotionalen oder Gefühlsebene und auf seiner geistigen Ebene,
wahrnehmen. Nur dann sind wir in der Lage die Natur der Krankheit in
ihrem ganzen Ausmaß zu erkennen.
Krankheit ist eine Störung der Lebenskraft
Die Lebenskraft oder Dynamis, wie Hahnemann sie nannte, ist
die Kraft oder Energie, welche die Regulierung der verschiedensten
Organtätigkeiten sowie alle Empfindungen steuert. Sie ist
immateriell und dynamisch. Ohne sie wäre der physische Leib zu
keinem Leben fähig und würde zerfallen. In gesundem Zustand
bilden physischer Leib und Dynamis eine Harmonie miteinander und dienen
dem "vernunftfähigen Geist" als Werkzeug für die
"höheren Zwecke des Daseins".
Jeder Krankheit, soweit nicht durch grobe äußere
Einwirkungen verursacht, liegt eine Störung dieser Lebenskraft
zugrunde - der Organismus gerät in eine Disharmonie. Mit anderen
Worten könnte man auch sagen die Schwingung der Lebenskraft wird
verändert. Diese verborgene Störung der Lebenskraft gibt sich
dem aufmerksamen Beobachter durch subjektive und Objektive
Befindensänderungen und durch körperliche, emotionale und
geistige Symptome zu erkennen. Oder anders ausgedrückt: jeder
Mensch entwickelt in seiner Krankheit seine ganz eigene individuelle
Symptomatik. Symptome sind also nichts anderes als die
äußerlich sichtbaren Zeichen der gestörten Lebenskraft
- die innere Störung bildet sich im Außen ab und wird
dadurch erkennbar.
Die Gesamtheit der Symptome zeigt uns
die Art der Störung der Lebenskraft |
Wie sich viele verschiedene Pinselstriche in ihrem
Zusammenwirken der Farben zu einem Gemälde vereinen, so
können wir erst an der Gesamtheit der Symptome, die ein Mensch
zeigt seine individuelle Krankheit erkennen. Das Betrachten nur
einzelner lokaler Symptome dagegen wird uns nie die eigentlich
zugrundeliegende Krankheit zu erkennen geben.
Das Ähnlichkeitsgesetz
| "Wähle, um sanft, schnell,
gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei,
welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie
heilen soll" |
Similia similibus curentur
Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt
Dies ist das zentrale Gesetz welches der Homöopathie
zugrunde liegt und worin auch der Name "Homöopathie" seinen
Ursprung hat (homoion - ähnlich, pathos - Leiden).
Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper
eine Art von eigener Krankheit mit ganz bestimmten Symptomen
(Arzneimittelprüfung). Sind nun diese Symptome ähnlich der
individuellen Symptome des kranken Menschen wird dieses Mittel in der
Lage sein eine Reaktion der gestörten Lebenskraft zu veranlassen,
so dass die natürliche Krankheit überwunden wird. Um dies
anhand eines Modells zu erklären, könnte man auch sagen, die
Frequenz des Arzneimittels tritt in Resonanz mit der Frequenz der
Lebenskraft und wirkt auf diese regulierend. Damit zwei Frequenzen in
Resonanzbeziehung treten können, müssen sie ähnlich
sein, ansonsten hätten sie keinen Einfluss aufeinander.
Anhand der Tollkirsche soll dies verdeutlicht werden: Nimmt
ein gesunder Mensch Tollkirschen ein, bekommt er ganz bestimmte
Vergiftungserscheinungen, wie z. B. trockene Schleimhäute,
pulsierende Kopfschmerzen, glasige Augen, große Pupillen und
Krämpfe.
Haben wir nun einen Patienten z. B.. mit einem fieberhaften
Infekt mit den Symptomen pulsierende Kopfschmerzen, trockenem Mund,
große Pupillen, glasigen Augen und evtl. auch einer Neigung zu
Fieberkrämpfen wäre diese Symptomatik ganz ähnlich einer
Tollkirschvergiftung. In diesem Falle wäre Belladonna das
angezeigte homöopathische Arzneimittel.
Die Arznei
Da wir also für jeden Patienten mit seiner individuellen
Symptomatik, die geeignete, d.h. ähnliche Arznei benötigen um
ihn heilen zu können, bedarf es einer umfassenden Kenntnis
über die Wirkung so viel wie möglicher arzneilich wirkender
Stoffe. Das heißt es ist notwendig zu erkennen welche
Veränderungen an Körper, Seele und Geist jedes einzelne
Arzneimittel hervorbringen kann.
Was ein Stoff macht, kann er auch heilen
Um nun zu diesen genauen Kenntnissen der Arzneiwirkungen zu
gelangen bedient sich die Homöopathie
- Der Arzneimittelprüfung am Gesunden
- Toxikologischer und pharmakologischer Erkenntnisse
- Erkenntnisse aus der Anwendung bei Kranken
Die Gesamtheit dieser Erkenntnisse ergeben schließlich
das Arzneimittelbild.
Die Arzneimittelprüfung am Gesunden
ist wohl die wichtigste Quelle zur Erkenntnis der
Arzneiwirkung, da hierbei auch die feinstofflicheren Wirkungen der
Arzneimittel unter wissenschaftlichen Kriterien in Erfahrung gebracht
werden können.
Hahnemanns Chinarindenversuch war die erste richtige
Arzneimittelprüfung. Seither wurden und werden noch immer
unzählige Prüfungen durch viele Homöopathen auf der
ganzen Welt mit zahllosen Mitteln durchgeführt.
Die Prüfungen selbst werden nach folgenden ganz
bestimmten Richtlinien durchgeführt damit die Ergebnisse auch
jederzeit nachvollziehbar sind.
- Nur der Prüfungsleiter kennt das zu prüfende
Mittel
- Ein Teil der Prüfer erhält ein Placebo
- Die Prüfer sollen bei Beginn der Prüfung gesund
sein
- Die Prüfungsgruppe soll breit nach Alter und
Geschlecht gestreut sein
- Die Prüfer schreiben ein tägliches Protokoll
über alle abweichenden subjektiven und objektiven
Veränderungen
Die Mittel werden in der Regel in verschiedenen Potenzgraden
geprüft
Je nach Toxizität beginnt die Prüfung eines Stoffes mit
Tiefpotenzen zwischen D1 - D12.
Hier zeigen sich vorwiegend Symptome auf der körperlichen Ebene
Danach werden mittlere Potenzen (C 30 - C 200) geprüft wo sich
verstärkt auch feinstofflichere Symptome beobachten lassen.
Die Prüfungen der hohen Potenzen (C 1000 und höher) zeigen
dann überwiegend sehr feinstoffliche Symptome
Herkunft und Herstellung homöopathischer Mittel
Das Rohmaterial der homöopathischen Arzneimittel stammt
aus allen Reichen der Natur. Darüber hinaus werden auch
Krankheitsprodukte und chemische Verbindungen verwendet.
Im Grunde kann also jeder Stoff als Ausgangsmaterial verwendet werden.
- Pflanzen (z. B.. Lycopodium, Pulsatilla, Brennessel,
Belladonna, Aconitum ect.)
- Tierische Stoffe (z. B.. Apis, Cantharis, Lachesis ect.)
- Mineralien (z. B.. Calcium-carb., Silicea,
Natrium-muriaticum ect.)
- Metalle (z. B.. Gold, Silber, Blei, Quecksilber ect.)
- Krankheitsprodukte, sogenannte Nosoden (z. B..
Tuberculinum, Medorrhinum, Psorinum ect.)
- Chemische Verbindungen (z. B.. Arzneimittel)
Nachdem Hahnemann in den Anfangszeiten seiner
homöopathischen Forschungen mit durchaus großen Dosierungen
arbeitete, machte er die Erfahrung, dass diese großen Dosen nicht
die Wirkungen erzielten, die er sich wünschte. Entweder war die
Arzneiwirkung, also die toxische Wirkung zu stark und zu heftig oder
ungenügend wegen zu geringer Aufschließung des Arzneimittels
(bes. bei unlöslichen Mineralien).
Er begann also mit Versuchen die Quantität und die
Qualität der Arznei in optimaler Weise zu verbinden. Dieses Ziel
erreichte er durch Minimierung der Dosis und Steigerung der Wirksamkeit
mittels schrittweiser Verdünnung und Verschüttelung
der Arzneien und erreichte damit ein Optimum an arzneilicher Kraft und
gleichzeitige Vermeidung von schädlichen Wirkungen und nannte es "Dynamisation"
oder "Potenz".Der Vorgang der Herstellung wird "potenzieren"
genannt.
Die Potenzierung
Die Ausgangssubstanz kann entweder eine Essenz, eine Tinktur,
eine Lösung oder ein Pulver sein. Flüssige Ausgangssubstanzen
werden als Urtinktur bezeichnet, feste Stoffe sind Ursubstanzen.
Beim Prozess der Potenzierung wird die jeweilige Urtinktur
schrittweise verdünnt und verschüttelt. Ursubstanzen
müssen bis zu einer C3 in Milchzucker verrieben werden und
können dann anschließend flüssig weiterpotenziert
werden.
Man unterscheidet dabei je nach
Verdünnungsverhältnis während der einzelnen Schritte
- D - Potenzen (Dezimal ; 1 : 10)
- C - Potenzen (Centissimal ; 1:100)
- LM oder Q - Potenzen (Qintessimal ; 1 : 50000)
Nach jedem Verdünnungsschritt wird verschüttelt
(dynamisiert) und zwar bei D- und C-Potenzen jeweils 10
Schüttelschläge, Q-Potenzen werden jeweils 100 mal
geschüttelt.
| Beispiel der Herstellung einer C-Potenz |
| 1 Teil Urtinktur |
+ 99 Teile Alkohol |
+ 10 mal schütteln |
=> C 1 |
| 1 Teil der C1 |
+ 99 Teile Alkohol |
+ 10 mal schütteln |
=> C 2 |
| 1 Teil der C2 |
+ 99 Teile Alkohol |
+ 10 mal schütteln |
=> C 3 usw. |
Die auf den Arzneifläschchen aufgedruckten Angaben
bedeuten
| Arzneimittel |
Verdünnungsverhältnis
beim einzelnen Schritt |
Anzahl der
Potenzierungsschritte |
| z. B. Arnika |
C |
30 |
| D. h. Arnika wurde 30 mal im
Verhältnis 1 : 100 verdünnt und dazwischen immer 10 mal
geschüttelt |
Gebräuchliche Potenzstufen sind
Bei D-Potenzen: D1, D4, D6, D12, D200
Bei C-Potenzen: C6, C30, C200, C1000, C10000, C50000
Bei Q-Potenzen: Q1, Q2,....Q6, Q12, Q18, Q24, Q30
Die Verwendung dieser enorm hohen Verdünnungen ist auch
der Hauptangriffspunkt der Homöopathiekritiker zumal ab einer
Verdünnung ab D24 oder C12 rein chemisch gesehen kein Molekül
der Ausgangssubstanz mehr vorhanden ist. Diese Kritiker vergessen
allerdings, dass es sich hier nicht nur um reine Verdünnungen
handelt, sondern die Mittel auch verschüttelt sind (potenziert).
Nun sind es ja aber gerade die hohen Potenzen, welche die
tiefste und umfassendste Wirkung zeigen bzw. werden an sich
unarzneiliche Stoffe, wie z. B. Kochsalz erst durch die Potenzierung in
hohe Stufen zu hochwirksamen Arzneien.
Einen wissenschaftlichen Nachweis der Wirkung
homöopathischer Arzneien gibt es bislang nicht, auch wenn es
einige Hinweise gibt, dass durch den Vorgang der Potenzierung sich die
Molekularstruktur der Trägersubstanz (Alkohol oder Wasser)
spezifisch verändert, also so etwas wie ein Stempelabdruck auf die
Trägersubstanz gesetzt wird.
Für den praktizierenden Homöopathen ist es letztlich
auch weniger interessant, ob die Wirkung der Homöopathie nun
wissenschaftlich nachweisbar ist oder nicht. Für ihn zählt
einzig und allein die Tatsache, dass unzählige Patienten durch die
Homöopathie von ihren Leiden geheilt werden.
Damit die Kraft, die in den homöopathischen Mitteln
verborgen liegt wirklich zur Entfaltung kommen kann bedarf es
umfassender Kenntnisse und exakter Anwendung der theoretischen
Grundlagen und ein tiefes Vertrautsein mit den Arzneimittelbildern.
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Mach's nach, aber mach's genau nach
(Hahnemann)
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